Re: Probleme mit Röhrengleichrichtung
geschrieben von:
Harry (IP gespeichert)
Datum: 03. Juli 2007 18:04
Hallo.
Schön, das es einen neuen Interessierten der Röhrentechnik gibt.
Frage Nr. 1 Warum müssen es zwei GZ34 sein ??? Du weisst doch, das die mittlerweile schweineteuer sind.
Frage Nr. 2 Wer hat Dir überhaupt den Floh mit der Röhrengleichrichtung ins Ohr gesetzt ???
Zu 1: Röhrengleichrichtung hat man eher in Musikerverstärkern gefunden; die Industrie setzt seit den 50ern auf Halbleitergleichrichtung.
Richtig dicke Elaverstärker hatten zuerst Selen-Gleichrichter. Später wurden die durch Silizium-Zellen ersetzt, weil zuverlässiger.
Mein erster DICKER Selbstbauverstärker entstand Ende der 50er. Ich rüstete ihn von vorneherein mit Silizium-Dioden aus, die ich einem Lehrgesellen aus dem Kreuz geleiert hatte. Die wurden zusammen mit den Sieblelkos auf eine Makrolonplatte montiert. Makrolon war damals ein neuartiger Werkstoff, der in unserem Werk entwickelt worden war. Da geisterten in technischen Abteilungen Makrolon-Testplatten herum, von denen ich mir Eine gesaved hatte. War im Gegensatz zu den roten PVC-Platten, die damals üblich waren, unkaputtbar !!! Und dazu ein hervorragender Isolator. Ich habe nie Störungen festgestellt, die man SI-Gleichrichtern nachsagt, wie Spikes etc. Und das OHNE Schutzschaltungen wie Snubber und sonstwas. Solche Schaltungen habe ich auch nie in Industrieverstärkern, sowie HiFi-Verstärkern vorgefunden.
Zu 2: Es kursieren in der Tat allerlei Ideen zu Hilfsschaltungen aller Art. Merkwürdig ist nur, das es sowas in der Hochzeit der Röhren nicht gab. Wozu auch ??? Es hat sich erwiesen, das Softanlaufschaltungen überflüssig füe die Röhrenheizungen sind. In all den Jahren ist mir nie untergekommen, das eine Röhrenheizung trotz hier und da zu beobachtendes, helles Aufleuchten der Heizwendel eine Röhrenheizung durchgeknallt wäre. Eine Vorheizung ist nur bei HG-Dampfgleichrichterröhren vonnöten, damit ein genügend hoher HG-Dampfdruck vorhanden ist. Sog. Standby-Schaltungen für die Anodenspannung haben sich sogar keineswegs als Röhrenschonend erwiesen. Im Gegenteil. Es bildet sich in der Katodenbeschichtung eine Zwischenschicht, welche die Emission stark mindert. Ähnlich ist auch das verzögerte Anlegen der Anodenspannung zu sehen; es besteht nämlich die Verlockung, aus einer Anodenspannungsverzögerung eine Standby-Schaltung zu machen.
Als Fazit kann ich Dir nur empfehlen: Mache es so, wie unsere Altvorderen. Die wußten genau, was sie taten. Es ist keinesfalls verwerflich, alte Konzepte zu Rate zu ziehen. Das Rad neu zu erfinden, ist sowieso grober Unfug; es wird bestenfalls 5-eckig. Verbesserungen welche auch immer, haben sich zu oft als Verschlimmbessertung erwiesen.
Und lasse die Finger von allem Voodoo-Quatsch.
beste Grüße Harry