Datum: 24. Juli 2007 11:51
Hallo,
in dem, was Du schreibst, steckt doch schon eine ganz wesentliche Erkenntnis drin:
eine Röhrenstufe lässt sich nicht so ohne weiteres berechnen. Soweit ich weiß, ergeben sich die Kennlinien einer Triode aus einer Expotentialfunktion, mathematisch also nicht ganz trivial. In den Datenblättern (
zum Beispiel hier ) finden sich Kennlinien, die beim Hersteller
gemessen worden sind. Die Daten beziehen sich auf ein durchschnittliches Exemplar, können also bei einer anderen Röhre dieses Typs ganz erheblich abweichen (bis zu +/- 30%). Für die ECC83 gibt es reichlich Datenblätter, in denen finden sich auch Beispiele für die Beschaltung mit Kathoden- und Anodenwiderständen. Damit kommt man schon recht weit.
Die elementaren mathematischen Grundlagen zur Funktionsweise einer Triode wurden schon von Heinrich Barkhausen in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beschrieben. Dem was man damals berechnen konnte, waren allerdings sehr enge Grenzen gesetzt, weil wirklich leistungsfähige Computer erst mit dem Aufkommen der Halbleitertechnik in den sechziger Jahren zur Verfügung standen.
Wenn man die Funktionsweise einer Triodenstufe wirklich berechnen will, dann läuft dies darauf hinaus, die Schnittpunkte der durch den Arbeitswiderstand gebildeten Geraden im Kennlinienfeld zu bestimmen. Man müsste also sämtliche Kennlinien über die dazugehörigen Expotentialfunktionen bestimmen und daraus dann die Schnittpunkte mit der Gerade der Arbeitswiderstandes berechen. Wie man das graphisch macht, wird in vielen Grundlagenbüchern zum Thema Röhren beschrieben; rein mathematisch geht es auch, allerdings ist der Aufwand so hoch, dass es ohne Computer eigentlich nicht geht. Anahnd der Schnittpunkte lässt sich dann die Verstärkung, Nichtlinearität etc. bestimmen.
Für den Zweck gibt es Software für den PC, beispielsweise von
GlassWare. Was der Leistungsfähigkeit solcher Software Grenzen setzt ist der Umstand, dass auch Röhren Toleranzen haben. Wie bereits erwähnt, können die ganz erheblich sein und damit die Resultate von Berechnungen ziemlich über den Haufen werfen. Trotz der Möglichkeit eine sehr leistungsfähige Berechnung / Simulation für eine Röhrenschaltung zu benutzen, wird man nicht darauf verzichten können, von der Schaltung einen Versuchsaufbau zu machen und zu testen, ob es auch praktisch funktioniert.
So oder so ist es ein weiter Weg von einer Idee bis zum einem funktionierenden Verstärker. Die Grundlagen für die Röhrenverstärker, die wir heute noch benutzen, wurden im Wesentlichen in der Zeitspanne von den zwanziger Jahren bis in die fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gelegt. Um die Qualität zu steigern, hat man in bewährtes immer wieder neue Ideen eingebracht - so ist es bis heute geblieben.
Gruß Karl